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Wie vom Himmel gefallen.......

Ein erfahrener, aber leicht chaotischer Captain, ein schwacher Copilot und ein schlecht geflogener Anflug - beste Voraussetzungen für einen Unfall, findet Macarthur Job.

Der Anflug auf Mangalore, Indien, zu hoch und nicht stabilisiert, zu spät aufgesetzt, die ILS Antennen zerstört, durch den Flughafen-Zaun in einen 500m tiefen Graben gerutscht: die B737 brannte aus, doch 8 Passagiere konnten sich retten, während die restlichen 158 Personen an Bord starben.

Die Air India Express Boeing B737-800 flog täglich von Mangalore, Indien, nach Dubai und zurück. Am 22. Mai 2010 startete die Maschine um 02.36 Uhr (Indischer Standard Zeit - IST) in Dubai. Der Kapitän kam aus Serbien, der Copilot und die Kabinen-Crew waren Inder.

Um 05.47 IST, auf Flugfläche 370, kontaktierten die Piloten Mangalore Area Control. 15 Minuten später bekamen sie die Freigabe zum Sinkflug. Mangalore Radar war außer Dienst und die Boeing sollte einen ILS DME Anflug auf die Landebahn 24 durchführen.

Der Flughafen von Mangalore liegt auf einem Plateau, weshalb nur der Flugzeug Kommandant Landung und Start vornehmen darf. Der Captain der Boeing war bereits 16mal in Mangalore gelandet.

Der Unfallablauf.

Obwohl das Flugzeug ausbrannte, konnte der Flugdatenschreiber und der Cockpit Voice Recorder geborgen und ausgewertet werden. Es gab weder Hinweise auf einen technischen Fehler noch auf einen Vogelschlag.

Die Auswertung der beiden Geräte ergab folgendes Szenario: nach dem Abflug aus Dubai gab es 100 Minuten lang keine Kommunikation zwischen den Piloten, nur der Copilot informierte kurz die Kabinen-Crew. Allerdings war auf dem Mikrofon-Kanal des Kapitäns schweres Atmen und Schnarchen zu hören, ein Hinweis darauf, dass der Kapitän in seinem Sitz schlief.

Der Copilot führte den Funksprechverkehr, der Kapitän hörte weder das Wetter noch die Position des Flugzeuges und auch nicht die Information über den VOR DME Anflug auf die Landebahn 24.

Erst 21 Minuten vor der Landung wachte der Kapitän auf. Der weitere Anflug auf den Flughafen Mangalore verlief, vereinfacht gesagt, chaotisch: um Höhe abzubauen, wurden die Speed-Brakes ausgefahren, die Landeklappenstellung "five" übergangen und gleich "ten" gesetzt, das Fahrwerk ausgefahren, obwohl die Geschwindigkeit noch zu hoch war. Das vorgeschriebene Briefing: Anflug-Verfahren, Anflug-Information, Wetter-Minima, Durchstart-Verfahren, Lande-Planung, wurde überhaupt nicht durchgeführt. Dafür schnaubte, schniefte und hustete der Kapitän minutenlang.

Bei "Flaps 15" fuhr der Kapitän die Speed-Brakes erst ein und dann wieder aus. Er schaltete den "Auto-Pilot" aus, währenddessen der Copilot fragte: "Go-around?". Drei Sekunden später erklärte der Kapitän: "Wrong Localizer....glide path". Vermutlich hatte das Gerät, wegen des steilen Anfluges, ein falsches Gleitweg-Signal "eingefangen".

Obwohl der Copilot auf die Flughöhe hinwies und ein "Go-around" forderte, gleichzeitig die Warnung "Sinkrate" und "Pull-up" ankam, setzte der Kapitän die Landung fort. Über der Landebahnschwelle war die Maschine 200 Fuß hoch, mit einer Geschwindigkeit von 164 kt. Das bordeigene Landeklappenprüfsystem reduzierte automatisch die Landeklappenstellung von 40° auf 30°, wegen der hohen Geschwindigkeit. Bei Erreichen von 158 kt fuhren die Klappen wieder auf 40° aus, was nun den Ausschweb-Vorgang verlängerte. Nach 1.700m setzte die Maschine auf (Landebahnlänge gesamt 2.700m). Der Kapitän aktivierte den Umkehrschub und bremste gleichzeitig stark. Aus Furcht, nicht rechtzeitig zum Stehen zu kommen, fuhr der Kapitän den Umkehrschub wieder ein und gab "Full Power". Das war das letzte Glied in der Kette, die zum Unfall führte.

Der vollständige Artikel "Falling off the Mountain", von Macarthur Job, ist erschienen in: Flight Safety Australia, Issue 82, Sept-Oct 2011.

Accidents & Incidents

04. Mai

Eine KLM F70, auf dem Flug von Teeside, England, nach Amsterdam, landete außerplanmäßig in Norwich, England, weil ein Triebwerk ausgefallen war.

20. April

Eine Bhoja Air B737-200 stürzte beim Anflug auf den Flughafen von Islamabad, Pakistan, ab. Alle 127 Personen an Bord wurden tödlich verletzt. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten Starkregen und Hagel.

10. April

Ein Korean Air Flug von Vancouver, Kanada, nach Seoul, führte eine außerplanmäßige Landung auf dem Comex Valley Flugplatz, Vancouver Island, durch, nach einer telefonischen Bombendrohung. Es wurde keine Bombe gefunden.

04. April

Mehrere Passagiere eines Ryanair B737 Fluges von Bergamo, Italien, nach East Midland, England, erlitten Verletzungen, als der Kabinendruck plötzlich abfiel. Nach einem Notabstieg auf 20.000 ft landete die Maschine sicher in Frankfurt.

27. März

Der Copilot eines JetBlue Fluges von New York nach Las Vegas hinderte den Kapitän am Wiederbetreten des Cockpits, nach dem dieser durch wirre Reden und irrationales Verhalten eine Gefahr für den Flug bedeutete. Passagiere fesselten den Kapitän an einen Sitz, währenddessen der Copilot eine Notlandung in Amarillo, Texas einleitete. Der Kapitän wurde nach der Landung festgenommen.

22. März

Eine American Airlines B767, auf dem Weg von Dallas nach Paris, landete außergewöhnlich in Shannon, Irland, weil Rauch in der Bordküche entdeckt worden war.

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